Germany's new Wirtschaftswunder

Mittelstand macht Deutschland stark

Deutschland zählt zu den großen Volkswirtschaften der Welt und zu den wichtigsten Industrienationen. Das Land konnte die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 offenbar besser verkraften als andere Länder.

Im Scheinwerferlicht steht vor allem die Industrie, weil sie den weltweiten Einbruch so gut überstanden hat und weiterhin erfolgreiche Produkte und Serviceangebote weltweit anbietet. Das britische Wirtschaftsmagazin „The Economist“ zum Beispiel spricht anerkennend von „Germany’s new Wirtschaftswunder“. Erklärt wird die Stärke der deutsche Volkswirtschaft damit, dass nicht allein die großen Konzerne antreiben und wachsen, sondern vor allem auch die hoch spezialisierten kleinen und mittleren Unternehmen: der deutsche Mittelstand, der stark in den Regionen verankert ist.

Der Mittelstand bildet das Herz der deutschen Wirtschaft und bietet schon jetzt auch internationalen Fachkräften interessante Arbeitsplätze: 99,6 Prozent aller Firmen in Deutschland haben einen Jahresumsatz von maximal 50 Millionen Euro und beschäftigen höchstens 500 Beschäftigte. Sie zählen deshalb nach deutscher Definition zum Mittelstand. Rund 95 Prozent dieser Unternehmen sind Familienbetriebe. Sie werden von persönlich haftenden Unternehmerinnen und Unternehmern geführt.

Das deutsche Erfolgsmodell

Das US-Magazin „Time“ fasste kürzlich den Erfolg der deutschen Wirtschaft so zusammen: Viele Firmen in Deutschland hätten sich auf die „unsexy side of the industrial spectrum“ spezialisiert – keine Smartphones oder iPads, sondern Maschinen, Zulieferteile und schwere Ausrüstungen.

Manches deutsche Unternehmen, zum Beispiel Autobauer und der weltweit drittgrößte Softwarelieferant, wird Wert darauf legen, dass die eigenen Produkte ganz sicher auf die „sexy side“ gehören. Aber im Kern passt die Analyse, wonach hochspezialisierte Industriefirmen mit hochspezialisierten Gütern Deutschlands Wachstumsmotor sind. Was im Zeitalter der lange hochgepriesenen virtuellen und finanziellen Wertschöpfung ein bisschen unterging, drängt sich nun als Leitsatz nach vorne: Die Industrie ist und bleibt eine wichtige Basis für den Wohlstand. Mit seinem hohen Industrieanteil von 22 Prozent ist die deutsche Volkswirtschaft weltweit gut positioniert. Frankreich, Italien, Großbritannien und die USA zum Beispiel kommen auf geringere Anteile in diesem Bereich.

Sogar 92 Prozent der deutschen Warenexporte sind Industriewaren. In vielen Bereichen und auf vielen Märkten sind die deutschen Unternehmen Exportweltmeister. Das gilt zum Beispiel für die so genannten grünen Technologien, also Produkte im Bereich Umwelt- und Klimaschutz. Im zukunftsträchtigen Sektor der erneuerbaren Energien, also Photovoltaik, Windkraft und effizienteren Kraftwerkstechniken, hat die deutsche Wirtschaft einen Weltmarktanteil von 30 Prozent. Und offenbar sind noch einige Innovationen im Köcher. Fast ein Viertel aller Patentanmeldungen für Umwelttechnik beim Europäischen Patentamt stammen aus Deutschland. 2015 lag Deutschland im europäischen Vergleich mit 66.893 Patentanmeldungen auf dem ersten Platz.

All das trägt dazu bei, dass Deutschland mit einer Exportquote von 41,5 Prozent vor Frankreich, Großbritannien, Japan und den USA liegt.

Die größte Volkswirtschaft Europas punktet vor allem mit ihrer guten Infrastruktur, dem hohen Entwicklungsgrad der Unternehmen und des Dienstleistungssektors, der Hochschulbildung und hochwertigen beruflichen Ausbildung beispielsweise im Handwerksbereich und nicht zuletzt mit seinen Innovationen. Besonders im Bereich Digitalisierung sollen in Deutschland noch mehr Innovationen vorangetrieben werden – die digitale Agenda 2014-2017 der Bundesregierung bietet hierfür den politischen Rahmen. Die digitale Revolution verändert Wirtschafts- und Arbeitsprozesse. So wirkt sich die in Deutschland auch bekannt als „Industrie 4.0“ auf verschiedenste Kernbranchen der deutschen Wirtschaft aus. So liegt Deutschland mit über 30.000 Patentanmeldungen im europäischen Vergleich vorne und trägt über 11 Prozent der Patentanmeldungen beim europäischen Patentamt bei.

Die gute Innovationsfähigkeit hängt auch daran, dass Deutschlands Forscherinnen und Forscher sowie Ingenieurinnen und Ingenieure kreativ bei der Entwicklung neuer Ideen bleiben und Mut bei der Umsetzung zeigen. Kurz: Auf kluge Köpfe kommt es an, gegenwärtig wie zukünftig. Ob sie aus Deutschland kommen oder von weit her.

Unbekannte Weltmarktführer

Heutzutage entstehen viele Innovationen in Fachteams in den Unternehmen oder in Netzwerken mit anderen Unternehmen bzw. Forschungseinrichtungen oder Universitäten. Auch hier zahlt sich Deutschlands besondere Mischung aus großen und kleineren Unternehmen aus, denn in beiden wird geforscht und entwickelt.

Neuheiten kommen häufig von den so genannten „Hidden Champions“, das sind meist weithin unbekannte Mittelständler, die auf ihren Spezialmärkten aber zu den drei stärksten Unternehmen der Welt gehören.

Deutschlands Volkswirtschaft profitiert von rund 1.500 solcher Hidden Champions. Auch weil sie oft versteckt in der deutschen Provinz sitzen und produzieren, wird ihr Erfolg manchmal unterschätzt. Nicht wenige Hidden Champions beschäftigen mehrere Tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Als Arbeitgeber sind sie geschätzt, weil sie ihre Geschäfte langfristig ausrichten und oft sichere sowie gut bezahlte Jobs bieten.

Informationen im Web

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Informationen und Daten zur deutschen Wirtschaft
(Deutsch, Englisch, Französisch)

Innovation aus Deutschland

Broschüre über Deutschlands innovationsstarke Exportbranchen
(Deutsch, Englisch)

Research in Germany – Land of ideas

Karrieremöglichkeiten in der Forschung
(u.a. Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Russisch)

Statistisches Bundesamt

Zahlen, Daten und Fakten zu Deutschland
(Deutsch, Englisch)