Vinay, Senior IT Strategy Manager (Indien)

„Wer bereit ist, sich fachlich weiterzuentwickeln, kann es in Deutschland weit bringen.“

© Make it in Germany
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Ihre Frau ist vor drei Jahren zu Ihnen nach Deutschland gezogen, ihre beiden Kinder sind hier geboren: Ist Deutschland zu Ihrer Heimat geworden?

Auch wenn ich seit 2002 in Deutschland lebe, ist die Verbindung zu Indien durch meine Eltern und Geschwister immer noch stark. Aber Deutschland ist für mich tatsächlich das Land, in dem ich meine Zukunft sehe – zumindest in den kommenden Jahren. Zurzeit suchen wir für unseren Sohn einen bilingualen Kita-Platz, damit er von Anfang an auch Englisch lernt.

Wie sah Ihr Weg nach Deutschland aus?

Ich wollte meinen Master im Ausland machen. Ganz Indien geht in die USA oder nach Großbritannien. Ich wollte etwas anderes machen. Ich wusste, dass Deutschland in den Ingenieurwissenschaften sehr stark ist. Außerdem ist die Wirtschaft sehr entwickelt. Also habe ich mich beworben. Da ich in Indien einen sehr guten Bachelor-Abschluss gemacht habe, habe ich vom Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken ein Stipendium für einen Masterstudienplatz am Institut bekommen. Dann war alles ganz einfach: Meinen Flug nach Frankfurt hat das Institut bezahlt. Irgendwie habe ich es dann auch geschafft, ein Zugticket nach Saarbrücken zu kaufen…

…warum „irgendwie“?

Ich konnte noch kein Deutsch. Aber gleich nach meiner Landung habe ich gemerkt, wie hilfsbereit die Deutschen sind: der Polizist, der mich zum richtigen Gleis begleitet hat, die alte Frau, die mir gezeigt hat, wie ich die Zugtür öffne, oder der Mann, der mir geholfen hat, meine drei schweren Koffer reinzuholen. Dann habe ich aus dem Zugfenster auf die vielfältige und schöne Landschaft geschaut und wusste: Hier bleibe ich mindestens fünf Jahre.

Und wie haben Sie schließlich Deutsch gelernt?

Ich habe mir einen Partner für ein Sprachtandem gesucht. Auch sonst habe ich möglichst viel mit den Menschen hier gesprochen, aus Büchern gelernt und Filme mit deutschen Untertiteln gesehen. Auch Vereine haben mir sehr geholfen: Was ich mitgebracht habe, ist Neugier, Interesse und Offenheit. Damit habe ich einen guten Zugang zu den Menschen bekommen und sehr viele Freundschaften geknüpft.

Hat Ihnen Ihre Offenheit auch später im Beruf geholfen?

Ganz bestimmt. Wer sich hier engagiert, begeisterungsfähig und bereit ist, sich fachlich immer weiterzuentwickeln, kann es weit bringen. Ich denke aber, für eine Karriere in Deutschland ist es wichtig, ein Experte in einem ganz bestimmten Fachgebiet zu sein. Im Technologiebereich ist es beispielsweise gut möglich, beruflich schnell voranzukommen. Ich hatte vier Beförderungen in sieben Jahren. Dahinter stehen Leistung und der Wille, sich weiterzuentwickeln. Ich denke aber auch, dass ich es ohne Expertise nicht so weit geschafft hätte.

Hat die Zusammenarbeit mit den Kollegen von Anfang an gut geklappt?

Die Kollegen waren immer sehr hilfsbereit. Mit vielen haben wir auch privat Kontakt. Auf jeden Fall sollte man sich aber im Beruf auf die Mentalität der Deutschen einlassen: Sie sind oft sehr direkt. Aber wenn man Kritik nicht zu persönlich nimmt, sondern als das versteht, was sie ist – nämlich eine Möglichkeit für eine effizientere Zusammenarbeit, bringt einen diese Art wirklich weiter.

Würden Sie sagen, dass Sie auch privat in Deutschland angekommen sind?

Ja. Das Land ist sehr offen – von der Küche bis zur Religion. Ich bin zum Beispiel lange Zeit in hinduistischen Tempelvereinen aktiv gewesen, in denen man auch viele Deutsche trifft. Außerdem hat Deutschland eine sehr schöne Natur, eine gute medizinische Versorgung und wenig Verbrechen. Und für uns ist es besonders schön, dass es mitten in Europa liegt. Mit meiner Familie habe ich eigentlich schon alle Länder bereist.

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