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Mit einer Berufsausbildung in Deutschland den Einstieg in den Job schaffen

26.08.2019 - Das deutsche System der dualen Berufsausbildung ist international bekannt und gilt als vorbildlich. Dennoch bleiben Ausbildungsstellen in deutschen Unternehmen unbesetzt. Die Gewinnung von Auszubildenden aus dem Ausland stellt daher eine Möglichkeit dar, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Gleichzeitig bietet eine berufliche Ausbildung Ausbildungsinteressierten aus dem Ausland eine längerfristige berufliche Perspektive in Deutschland.

Auszubildende sind in Deutschland gefragt

Das deutsche duale Ausbildungssystem ist besonders vielfältig. Auszubildende lernen nicht nur in der Berufsschule die Theorie, sondern sind von Beginn an in einem Betrieb tätig. Damit verdienen sie während der Lehre ihr eigenes Geld und erhalten wertvolle Einblicke in die betriebliche Praxis. Viele bleiben nach Abschluss als ausgebildete Fachkraft in ihrem Ausbildungsbetrieb. Den anderen gelingt der Berufseinstieg in einem anderen Betrieb. Aktuell befinden sich rund 1,3 Millionen Personen in einer Berufsausbildung in Deutschland[1].

Trotz dieser Vorteile haben Unternehmen es immer schwieriger, alle offenen Ausbildungsstellen zu besetzen. Das zeigt die aktuelle Unternehmensumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Mehr als jedes dritte Unternehmen konnte im Jahr 2017 nicht alle Ausbildungsplätze an Bewerberinnen und Bewerber vergeben[2]. Gleichzeitig ist die Herausforderung, Ausbildungsplätze zu besetzen, in den verschiedenen Branchen unterschiedlich ausgeprägt.

Besetzungsschwierigkeiten gibt es laut der Bundesagentur für Arbeit[3] vor allem in den Handwerksberufen, wie zum Beispiel bei Fleischern, Bäckern oder auch Friseuren, Fliesenlegern, Maurern oder Malern, aber auch in den Berufen aus Industrie und Handel, darunter beispielsweise Hotel- und Gastronomieberufe oder Berufe im Verkauf. Eine Möglichkeit, den aktuellen Engpässen auf dem Ausbildungsmarkt entgegenzuwirken, stellt daher die Gewinnung von Ausbildungsinteressierten aus dem Ausland dar.

Die rechtlichen Voraussetzungen für internationale Auszubildende

Deutschland bietet jungen Menschen aus dem Ausland die Möglichkeit, in einer Ausbildung einen Beruf zu erlernen. Im Jahr 2018 absolvierten 131.397 Personen mit einem nicht deutschen Pass eine Berufsausbildung in Deutschland. Die meisten von ihnen stammen aus der Türkei (22.905 Personen), gefolgt von Staatsangehörigen Afghanistans (13.371), Syriens (12.762), Italiens (7.668) und des Kosovos (4.890).

Bürgerinnen und Bürger aus der Europäischen Union können aus rechtlicher Sicht ohne weiteres eine Berufsausbildung in Deutschland aufnehmen. Eine Aufenthaltserlaubnis ist nicht notwendig, sie müssen sich lediglich bei dem Einwohnermeldeamt ihres Wohnorts melden. Dasselbe gilt für Angehörige eines Staates der Europäischen Freihandelsassoziation (Liechtenstein, Island, Norwegen, Schweiz).

Staatsangehörige aller anderen Staaten (den sog. Drittstaaten) benötigen für die Aufnahme einer Berufsausbildung in Deutschland eine Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der betrieblichen Ausbildung. Nach aktueller Gesetzeslage (§17 Abs.1 AufenthG), bedarf dies eines Nachweises über eine konkrete Ausbildungsstelle sowie der Erteilung einer Zustimmung durch die Bundesagentur für Arbeit[4]. Im Jahr 2018 besaßen rund 18.592 Personen aus Drittstaaten einen solchen Aufenthaltstitel zum Zweck einer betrieblichen Ausbildung. Das waren etwa 8,6 % aller in Deutschland lebenden Personen aus Drittstaaten, die sich zu diesem Zeitpunkt zu einem Bildungszweck (z.B. Studium, Weiterbildung etc.) in Deutschland aufhielten[5].

Um in Deutschland eine Ausbildung erfolgreich zu absolvieren, sind zudem gute bis sehr gute Deutschkenntnisse erforderlich. Denn in Betrieben, Berufsschulen und Fachschulen wird Deutsch gesprochen und die Prüfungen finden ebenfalls in deutscher Sprache statt. Die angehenden Azubis aus dem Ausland können bereits in den Heimatländern erste Deutschkenntnisse erwerben, zum Beispiel beim Goethe-Institut vor Ort. Deutschkenntnisse sind insbesondere für Bewerberinnen und Bewerber aus Nicht-EU-Staaten erforderlich, denn der Nachweis wird häufig bereits bei der Visumsantragstellung verlangt. Arbeitgeber und Ausbildungsvermittler sollten dieses bei der Auslandsrekrutierung berücksichtigen und die künftigen Azubis aus dem Ausland dabei unterstützen, Deutsch zu lernen.

Nach dem Abschluss: Perspektiven in Deutschland

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Berufsausbildung, stehen den Absolventinnen und Absolventen in Deutschland verschiedene Möglichkeiten offen. Die ausgelernten Auszubildenden dürfen dann in Deutschland in ihrem erlernten Beruf ohne Einschränkungen arbeiten. Da der Abschluss in Deutschland erworben wurde, ist auch eine Berufsanerkennung nicht mehr notwendig. Rund zwei Drittel der Unternehmen übernehmen ihre Auszubildenden nach erfolgreicher Beendigung der Ausbildung. Viele von ihnen erhalten einen unbefristeten Arbeitsvertrag und können in dem Betrieb als vollwertige Fachkraft weiterarbeiten. Eine weitere Möglichkeit ist es, nach der Ausbildung eine Weiterbildung in dem erlernten Berufsfeld zu absolvieren und sich somit weiter zu spezialisieren. In handwerklichen Berufen können sich die ausgebildeten Fachkräfte zum Meister bzw. zur Meisterin weiterbilden. Nach der Weiterbildung arbeiten viele Meister und Meisterinnen in Führungspositionen oder gründen eigene Betriebe.

Weitere Informationen zur Berufsausbildung auf „Make it in Germany“

Berufsausbildung in Deutschland
Visum zur Ausbildung


Quellen & Hinweise:

[1] Statistisches Bundesamt, Bildung, Forschung und Kultur / Berufliche Bildung 2019: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Berufliche-Bildung/_inhalt.html?__blob=publicationFile

[2] DIHK-Ausbildungsumfrage 2018, Unternehmen berichten über ihre Ausbildungssituation:https://www.dihk.de/resource/blob/11442/0b2e67c33ad302c8d662a53c661297b8/dihk-ausbildungsumfrage-2018-data.pdf

[3] Bundesagentur für Arbeit 2018, Situation am Ausbildungsmarkt: https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Fachstatistiken/Ausbildungsmarkt/Generische-Publikationen/Blickpunkt-Arbeitsmarkt-Ausbildungsmarkt.pdf?__blob=publicationFile

[4] Die Einstellung eines Auszubildenden aus einem Drittstaat erfordert nach aktueller Gesetzeslage die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit. Es erfolgen zwei Prüfungen: eine Vorrangprüfung und die Prüfung der Arbeitsbedingungen. Die Vorrangprüfung gilt als bestanden, wenn der Arbeitgeber gut begründen kann, dass es unter den bevorrechtigten ausbildungssuchenden Personen in Deutschland keine geeigneten Bewerberinnen und Bewerber gibt.

[5] Wanderungsmonitoring: Bildungs- und Erwerbsmigration nach Deutschland – Bericht für das erste Halbjahr 2018. Die oben genannte Personengruppe wird Bildungsmigranten genannt.

Neues Fachkräfteeinwanderungsgesetz: Das ändert sich für Auszubildende aus Drittstaaten

Möglichkeit der Ausbildungsplatzsuche wird geschaffen: Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz können junge Personen aus Drittstaaten mit einem Visum zur Suche eines Ausbildungsplatzes nach Deutschland einreisen und bis zu sechs Monate bleiben. Neben der Sicherung des Lebensunterhalts müssen die Ausbildungsbewerber nachweisen,

  • dass sie nicht älter als 25 Jahre sind, 
  • dass sie über einen Schulabschluss verfügen, der zum Hochschulzugang in Deutschland oder im Herkunftsland berechtigt und 
  • dass sie über gute Deutschkenntnisse verfügen.

 Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz tritt am 1. März 2020 in Kraft.

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