Gründungsarten: Wege zum eigenen Unternehmen

Sich selbstständig zu machen, kann ganz unterschiedlich ablaufen: Wollen Sie alleine ein Unternehmen gründen oder gemeinsam mit anderen? Planen Sie, einen bestehenden Betrieb zu kaufen? Haben Sie sich schon über eine Rechtsform Gedanken gemacht? Hier erklären wir Ihnen, welche Arten von Gründungen es in Deutschland gibt – und warum manche Selbstständige als „Freiberufler“ und andere als „Gewerbetreibende“ arbeiten.

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Gewerblich oder Freiberuflich?

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In Deutschland gibt es zwei Arten eine Existenz zu gründen. Entweder betreiben Sie ein Gewerbe oder Sie sind freiberuflich tätig. Dies können Sie sich nicht aussuchen, sondern hängt davon ab, welche Tätigkeit Sie ausüben. Je nachdem, ob Sie gewerblich oder freiberuflich tätig sind, hat das Auswirkungen auf die Formalitäten sowie auf die mögliche Rechtsform Ihres Unternehmens.

Freiberufliche Tätigkeit

In Deutschland gibt es eine Reihe von Tätigkeiten, die als „Freie Berufe“ gelten. Wer sich in diesen Bereichen selbstständig macht, arbeitet in der Regel als Freiberuflerin oder Freiberufler. Dazu zählen beispielsweise:

  • heilberufliche Tätigkeiten, etwa als Ärztin oder Arzt
  • beratende Tätigkeiten in den Bereichen Recht, Steuern oder Wirtschaft
  • naturwissenschaftliche und technische Tätigkeiten, etwa als Ingenieurin oder Ingenieur
  • informationsvermittelnde oder kreative Tätigkeiten, wie sie beispielsweise Dolmetscherinnen und Dolmetscher ausüben
  • pädagogische Tätigkeiten, etwa als Erzieherin oder Erzieher.

Eine Übersicht über Freie Berufe finden Sie auch auf dem Existenzgründungsportal. Bei manchen Tätigkeiten ist eine Zuordnung zu den Freien Berufen nur nach Einzelfallprüfung möglich. Ob Ihre Tätigkeit freiberuflich oder gewerblich ist, entscheidet dann das Finanzamt, bei dem Sie Ihr Vorhaben spätestens vier Wochen nach dem Start anmelden. Beachten Sie auch, dass Sie für einige Berufe bestimmte Qualifikationen und Berufsabschlüsse vorweisen müssen.

Ausführliche Informationen zu Voraussetzungen, steuerlichen Aspekten und den Rechtsformen von Freiberuflerinnen und Freiberufler finden Sie auf den Service-Seiten des Bundeslandes Baden-Württemberg. Diese Informationen gelten bundesweit.

Gewerbliche Tätigkeit

Wenn Sie sich zum Beispiel mit einem Handwerksbetrieb oder einem Handel selbständig machen wollen, müssen Sie ein Gewerbe anmelden. Das machen Sie bei der Stadt oder Gemeinde, in der Ihr Unternehmen seinen Hauptsitz haben soll.

Für manche Tätigkeiten müssen Sie bestimmte Zulassungsvoraussetzungen erfüllen. In diesem Fall spricht man von einem „erlaubnispflichtigen Gewerbe“. Das betrifft beispielsweise Handwerksbetriebe, Finanzdienstleister oder Pflegedienste, aber auch eine ganze Reihe anderer Tätigkeiten. Auf welche Bereiche dies zutrifft erfahren Sie auf den Seiten von Service-bw. Erlaubnispflichtig kann unter anderem bedeuten, dass Sie bestimmte Genehmigungen einholen, eine Lizenz beantragen oder berufliche Qualifikationen vorweisen müssen. Der BMWi-Behördenwegweiser zeigt Ihnen, wo Sie in Ihrer Region diese Formalitäten erledigen können.

Rechtsformen

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Jedes Unternehmen in Deutschland hat eine Rechtsform. Die Rechtsform verleiht einem Unternehmen den Rahmen für die Regelung von Rechtsangelegenheiten. Die Entscheidung, in welcher Rechtsform Sie Ihr Unternehmen führen wollen, hat weitreichende Folgen – etwa im Bezug darauf, wie viel Startkapital Sie brauchen und ob Sie persönlich für Ihr Unternehmen haften.

Im Existenzgründungsportal finden Sie eine Übersicht zu den in Deutschland gängigen Rechtsformen. Detaillierte Informationen für Freiberuflerinnen und Freiberufler gibt es auf den Seiten von Service-bw. Es ist sehr sinnvoll, vor der Auswahl einer Rechtsform eine Anwältin beziehungsweise einen Anwalt oder eine Steuerberaterin beziehungsweise einen Steuerberater zu konsultieren. Sie können sich außerdem an die Beratungsstellen für Gründerinnen und Gründer wenden.

Gründung eines neuen Unternehmens

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Die meisten Menschen, die sich selbstständig machen, gründen ein neues Unternehmen. Der große Vorteil: Sie können Ihr Unternehmen ganz nach Ihren eigenen Vorstellungen aufbauen. Das bedeutet aber auch, dass Sie Ihr Vorhaben besonders sorgfältig planen sollten. Überprüfen Sie, ob Ihre Geschäftsidee wirklich erfolgsversprechend ist. Und geben Sie sich eine ehrliche Antwort auf die Frage, ob eine Unternehmensneugründung zu Ihrer Persönlichkeit passt.

Sie können auch die Möglichkeit nutzen, zunächst nur in Teilzeit selbstständig zu arbeiten. Als Angestellte oder Angestellter haben Sie das Recht, mehreren Nebentätigkeiten nachzugehen – je nach Arbeitsvertrag müssen Sie das aber mit Ihrem Arbeitgeber absprechen. Auch für Studierende ist die Teilzeitgründung ein interessantes Modell. Weitere Informationen zu dieser Gründungsform finden Sie in dem Existenzgründungsportal.

Gründung im Team

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Vielleicht planen Sie, ein neues Unternehmen gemeinsam mit einem oder mehreren Partnern oder Partnerinnen zu gründen. Dafür spricht, dass Sie sich gegenseitig in der Gründungsphase unterstützen und gemeinsam Ideen entwickeln können. Ein weiterer Vorteil: Bei der Finanzierung erreichen Sie ein höheres Eigenkapital. Bedenken Sie aber, dass Teamarbeit auch immer eine gute Abstimmung aller Beteiligten erfordert. Gerade bei mehr als drei Personen können Entscheidungsprozesse sehr aufwendig werden. In jedem Fall sollten Sie schon zu Beginn Verantwortlichkeiten für einzelne Bereiche verteilen und eine für Sie passende Rechtsform identifizieren. Im Existenzgründungsportal finden Sie weitere Tipps für Teamgründungen.

Übernahme eines bestehenden Unternehmens

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Als Alternative zur Neugründung können Sie auch ein bestehendes Unternehmen übernehmen. In Deutschland suchen jährlich durchschnittlich 22.000 Unternehmen eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. In diesem Fall profitieren Sie von etablierten Strukturen und dem existierenden Kundenstamm sowie vielleicht auch vom Wissen Ihres Vorgängers oder Ihrer Vorgängerin. Gleichzeitig übernehmen Sie oft aber auch die Verantwortung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Bei der Planung und Umsetzung einer Firmenübernahme unterstützt Sie die nexxt – Initiative Unternehmensnachfolge. Die Initiative bietet auch eine Unternehmensnachfolgebörse an. Dort können Sie nach Unternehmen in verschiedenen Branchen und Regionen suchen, die zum Verkauf stehen. Sie können auch selbst in der Unternehmensbörse ein Kaufgesuch hinterlassen.

Speziell für Frauen: Auf den Seiten des Existenzgründerinnenportals finden Sie weitere wichtige Informationen zu Unternehmensnachfolge durch Frauen (Informationen nur auf Deutsch).

Franchising als Mittelweg

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Ein Sonderfall bei der Neugründung eines Unternehmens ist das Franchising. Dieses Verfahren nutzen vor allem Handels- und Gastronomiemarken, die Ihr Vertriebsgebiet erweitern wollen ohne eine eigene Filiale zu gründen. Stattdessen setzen Sie auf Unternehmerinnen und Unternehmer, die als Franchise-Nehmer auf eigene Rechnung handeln. Diese dürfen dann gegen Gebühren das Geschäftsmodell des Franchise-Gebers nutzen.

Der Vorteil für Gründerinnen und Gründer: Das Konzept ist in der Regel bereits in der Praxis erprobt und die Marke meistens schon vielen Menschen bekannt. Den Einstieg erleichtert auch die Tatsache, dass Franchise-Geber ihre Franchise-Nehmer schulen und Expertinnen und Experten für fachliche oder organisatorische Fragen beschäftigen. Welche Formen und Möglichkeiten des Franchisings es im Einzelnen gibt, erfahren Sie im Existenzgründungsportal und beim Deutschen Franchise-Verband.

Informationen im Portal

Schätzen Sie Ihre Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt ein

Fachkräfte aus aller Welt: So international ist Deutschland

Wie Sie passende Geldgeber finden.

Informationen im Web

Existenzgründungsportal

Die deutschen Rechtsformen im Überblick (Deutsch, Englisch, Türkisch, Französisch, Russisch, Italienisch)

Existenzgründerinnenportal

Hier finden Sie Informationen und Serviceangebote zur unternehmerischen Selbständigkeit von Frauen (Deutsch, Englisch, Türkisch, Französisch, Russisch, Italienisch)

BMWi GründerZeiten Nr. 11: Rechtsformen

GbR, GmbH & Co - Finden Sie die richtige Rechtsform für ihre Unternehmensgründung (PDF) (Deutsch)

BMWi Übersicht: Rechtsformen

Die wichtigsten Auswahlkriterien zu den Rechtsformen (Deutsch, Englisch)

BMWi GründerZeiten Nr. 17: Existenzgründungen durch freie Berufe

Selbstständig als Freiberuflerin oder Freiberufler – Alle wichtigen Informationen finden Sie hier (PDF) (Deutsch)

BMWi GründerZeiten Nr. 25: Kooperationen

Alle Informationen zur Existenzgründung mit mehreren Partnern kompakt zusammengefasst (PDF) (Deutsch)

iQ Fachstelle Existenzgründung

Alle wichtigen Informationen zur Existenzgründung kompakt zusammengefasst (Deutsch, Englisch, Polnisch, Spanisch, Türkisch, Russisch)

Außenwirtschaftsportal iXPOS

Informationen zum Markteinstieg in Deutschland (Deutsch, Englisch)

Germany Trade & Invest

Portal rund um Investitionen in Deutschland (Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch u.a.)

Service-bw

Informationen für Freiberuflerinnen und Freiberufler (Deutsch, Englisch, Französisch)

BMWi GründerZeiten Nr. 26: Erlaubnisse und Anmeldungen

Für den Start: Jedes Unternehmen muss angemeldet werden – was Sie dabei beachten müssen, finden Sie hier (PDF) (Deutsch)

Bundesverband der freien Berufe

Informationen rund um freie Berufe (Deutsch)