Steuern in Deutschland

Die wichtigste Steuer für Arbeitnehmer ist in Deutschland die Einkommensteuer. Spätestens mit der ersten Lohn- bzw. Gehaltsabrechnung werden Sie Bekanntschaft mit ihr machen. Wir erklären Ihnen, wonach sich die Höhe Ihrer Einkommensteuer berechnet und ob Sie gegebenenfalls einen Teil der während des Jahres einbehaltenen Steuern zurückbekommen.

Steuern - Ratgeber - Arbeiten

Wer die Steuer überweist

Wer die Steuer überweist

Einkommensteuer zahlen Sie auf alle Einkünfte eines Kalenderjahres – bei Ihnen werden das wahrscheinlich vor allem die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit sein. Wenn Sie als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer für ein Unternehmen arbeiten, müssen Sie sich erst einmal nicht um die Einkommensteuer kümmern. Denn: Ihr Arbeitgeber wird automatisch jeden Monat die Einkommensteuer in Form der Lohnsteuer von Ihrem Bruttoarbeitslohn abziehen und für Sie an das Finanzamt überweisen. An das Finanzamt überweist Ihr Arbeitgeber zudem den Solidaritätszuschlag und – wenn Sie Mitglied einer kirchensteuererhebenden Religionsgemeinschaft sind – auch die Kirchensteuer. Außerdem hat er dann bereits die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung von Ihrem Arbeitsentgelt abgezogen und bezahlt. Wie viel Ihr Arbeitgeber an Sie überweist und wie hoch Ihr Nettogehalt ist, können Sie jeden Monat Ihrer Lohn- bzw. Gehaltsabrechnung entnehmen.

Wie hoch die Einkommenssteuer ist

Wie hoch die Einkommenssteuer ist

Für alle Bürgerinnen und Bürger in Deutschland gilt ein Grundfreibetrag. Bis zu diesem Betrag fallen auf Ihr zu versteuerndes Einkommen keine Steuern an. 2016 beträgt dieser Freibetrag 8.652 Euro, wenn Sie nicht verheiratet oder verpartnert sind. Für Verheiratete und Verpartnerte beträgt er 17.304 Euro. Soweit das zu versteuernde Einkommen über den genannten Beträgen liegt, zahlen Sie darauf Einkommensteuer. Die Sätze liegen zwischen 14 und 42 Prozent. Dabei gilt: Je höher Ihr zu versteuerndes Einkommen, desto höher der Steuersatz. Den Spitzensteuersatz von 42 Prozent zahlt man allerdings erst für ein zu versteuerndes Einkommen über 254.447 Euro im Jahr, wenn man nicht verheiratet oder verpartnert ist. Für Verheiratete oder Verpartnerte gilt der maximale Steuersatz ab einem Einkommen von über 508.894 Euro.

Erleichterung für Familien und Alleinerziehende

Erleichterung für Familien und Alleinerziehende

Die Höhe der Einkommensteuer richtet sich nicht nur nach dem Einkommen. Bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens wird auch die familiäre Situation berücksichtigt. Um dies nicht erst nach Ablauf des Jahres vorzunehmen, sondern bereits für den laufenden Monat berücksichtigen zu können, werden alle Steuerzahler in unterschiedliche Lohnsteuerklassen eingeteilt:

Steuerklasse 1: Falls Sie ledig sind und bei Ihnen nicht der Entlastungsbeitrag für Alleinerziehende zu gewähren ist, fallen Sie in die Steuerklasse 1. Gleiches gilt für dauerhaft getrennt lebende Ehegatten oder Lebenspartner und Geschiedene.

Steuerklasse 2: Diese Klasse gilt für alleinstehende Alleinerziehende, denen der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zusteht.

Steuerklasse 3: Verheiratete oder verpartnerte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können diese Steuerklasse wählen, wenn ein Ehe- oder Lebenspartner nicht berufstätig ist oder deutlich weniger verdient. Der andere Ehegatte oder Lebenspartner wird dann in die Steuerklasse 5 eingereiht.

Steuerklasse 4: Verdienen beide Ehe- oder Lebenspartner ungefähr gleich viel, ist diese Steuerklassenkombination günstiger.

Steuerklasse 4 mit Faktor: Verheiratete oder verpartnerte Arbeitnehmer können jährlich die Eintragung eines Faktors beantragen. Dieser berücksichtigt die voraussichtlich gemeinsam nach dem Splittingverfahren zu zahlende Einkommensteuer. Der monatliche Lohnsteuerabzug entspricht dann nahezu der voraussichtlichen Jahressteuerschuld der Ehe- oder Lebenspartner.

Steuerklasse 5: In diese Lohnsteuerklasse werden verheiratete oder verpartnerte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eingereiht, deren Ehe- oder Lebenspartner in die Steuerklasse 3 eingereiht ist.

Steuerklasse 6: Sie gilt für alle, die ein zweites oder weiteres Dienstverhältnis ausüben.

Die Einkommensteuererklärung

Die Einkommensteuererklärung

Nach Ablauf eines Kalenderjahres können Sie den Staat prüfen lassen, ob Sie zu viel Lohn- bzw. Einkommensteuer gezahlt haben. Dazu geben Sie beim Finanzamt Ihre Einkommensteuererklärung ab. Mit Ihren Angaben zu den tatsächlichen Einkünften und finanziellen Belastungen kann der Staat dann prüfen, ob Ihnen eine Rückerstattung zusteht. In aller Regel lohnt es sich, das Formular zur Steuererklärung auszufüllen: Laut Daten des Statistischen Bundesamts haben neun von zehn Steuerzahlern eine Rückzahlung erhalten. Im Durchschnitt bekamen sie knapp 900 Euro zurück.

So machen Sie Ihre Einkommensteuererklärung

Die Steuererklärungsformulare können Sie bei Ihrem Finanzamt abholen oder von der Homepage Ihres Finanzamtes herunterladen und ausdrucken. Sie haben zudem die Möglichkeit, Ihre Steuererklärung online über www.elster.de abzugeben. Wenn Sie zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, etwa weil Sie die Steuerkombination III und V (3 und 5) gewählt haben oder Progressionsleistungen (zum Beispiel Kranken-, Arbeitslosen- oder Elterngeld) über 410 Euro erhalten haben, muss diese bis Ende Mai des Folgejahres beim Finanzamt eingereicht sein. In der Steuererklärung geben Sie an, wie viel Sie im vergangenen Jahr verdient haben und wie viel Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer Ihr Arbeitgeber für Sie an das Finanzamt überwiesen hat. Diese Angaben wird Ihnen der Arbeitgeber regelmäßig nach Ablauf des Kalenderjahres in einer gesonderten Abrechnung (Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung) mitteilen. Die Daten übertragen Sie dann in Ihre Steuererklärung.

Es gibt Aufwendungen, die Ihre Steuerlast mindern können. Auch diese geben Sie in der Einkommensteuererklärung an. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Ausgaben für einen berufsbedingten Umzug auch aus dem Ausland
  • Kosten für Bewerbungen auch aus dem Ausland
  • Aufwendungen für Fahrten zur Arbeit
  • Kosten für die private Altersvorsorge

Wichtig ist bei vielen Ausgaben, dass Sie die Kosten durch Kopien entsprechender Belege nachweisen und dass die Ausgaben/Kosten zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember des betreffenden Jahres angefallen sind. Wenn Sie jedoch eine in Deutschland zu versteuernde Tätigkeit aufnehmen und Ihnen sind schon im Vorjahr Ausgaben hierfür entstanden, können Sie diese auch steuermindernd geltend machen. Dazu müssen Sie auch für das Vorjahr eine Steuererklärung abgeben. Die Steuerminderung wirkt sich für das Jahr aus, in dem Sie ein Einkommen in Deutschland erzielt haben.

Selber machen oder den Fachmann fragen?

Ihre Einkommensteuererklärung können Sie auch durch einen Steuerberater oder durch einen Lohnsteuerhilfeverein erledigen lassen. Die Hinzuziehung eines Steuerfachmannes ist zwar kostenpflichtig, es kann sich jedoch – z.B. bei komplizierten Einkommensverhältnissen – lohnen, die Hilfe z.B. eines Lohnsteuerhilfevereins oder die eines Steuerberaters in Anspruch zu nehmen.

Falls Sie die Steuererklärung lieber selbst in die Hand nehmen, beantwortet das Finanzamt oder die Hilfe- und FAQ-Funktion auf der Internetseite von Elster, Ihre Fragen. Elster ist ein elektronisches Formular, mit dem Sie Ihre Steuererklärung online an das Finanzamt schicken können. Für umfassenderen Rat können Sie sich auch an einen Lohnsteuerhilfeverein wenden, der Sie kostengünstig berät oder die Steuererklärung für Sie erstellt. Alternativ steht Ihnen die Möglichkeit offen, PC-Software zu kaufen. Die Programme leiten Sie dann durch die Steuererklärung und übermitteln die von Ihnen erstellte Steuererklärung an das Finanzamt.

Olesia aus Russland:
Das Ausfüllen der Steuererklärung hat mich zuerst vor viele Schwierigkeiten gestellt. Ich habe mich beispielsweise zunächst nicht darum gekümmert, alle Lohnabrechnungen oder andere notwendige Quittungen zu sammeln und aufzuheben. Teilweise hatte ich auch Probleme, die Fachwörter auf Deutsch zu verstehen und die richtigen Daten einzutragen. Beim Ausfüllen der Formulare waren mir vor allem Freunde eine große Hilfe. Auch ist die Verwendung der kostenlosen Software ELSTER sehr hilfreich, da es dort z.B. auch Erklärvideos zu den einzelnen Schritten gibt. Letztendlich war das Ausfüllen der Steuererklärung mit ein wenig Übung keine große Herausforderung.

Vollständiger Ratgeber "Arbeiten in Deutschland"

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