Ask Me Anything - Karriere und Familie in Deutschland
Hallo, ich bin Marina. Ich bin 42 Jahre alt und komme aus Russland. In Deutschland bin ich schon seit 20 Jahren und habe mich hier schon ganz schön eingelebt. Ich habe eine Familie und zwei Töchter, 16 und drei Jahre alt.
Wo arbeitest du zurzeit und was machst du dort?
Die Firma, bei der ich gerade arbeite, heißt Just One Germany GmbH. Dort arbeite ich in der IT-Abteilung und bin für die Anwendungsbetreuung und das Projektmanagement zuständig.
Wie hast du es die ganzen letzten Jahre geschafft, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren?
Das ist manchmal einfach ein logistisches Rätsel, das wir als Familie tagtäglich lösen müssen, aber es gelingt uns tatsächlich. Wir haben uns für eine Tagesmutter entschieden. Das ist auch ein Konzept, das ich nur aus Deutschland kenne: Ausgebildete Tagesmütter betreuen in kleinen Gruppen von fünf bis sechs Kindern tagtäglich die Kinder. Das Ganze wird auch von der Stadt mit begleitet, das heißt, solche Anträge für eine Tagesmutterbetreuung muss man auch bei der Stadt stellen, und da werden entsprechende Plätze verteilt und genehmigt. Das haben wir jetzt mit unserer jüngsten Tochter gemacht und waren auch sehr zufrieden damit.
Wie findest du die medizinische Versorgung in Deutschland während Schwangerschaft und Geburt?
Beide meiner Schwangerschaften habe ich hier durchgemacht und erlebt, und auch die Geburten. Beim ersten Mal war ich natürlich weniger erfahren. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass man Anspruch auf eine Hebamme hat, die man aber rechtzeitig ansprechen muss. Das habe ich nicht gemacht, erst kurz vor der Geburt wusste ich davon und habe mich um eine Hebamme bemüht. Das hat aber auch prima geklappt. Ich bin damals auch fünf Tage im Krankenhaus geblieben, weil ich mir einfach nicht sicher war. Auch das hat alles prima geklappt. Beim zweiten Mal war ich natürlich schon etwas sicherer und war schon in wenigen Stunden nach der Geburt zu Hause, wurde aber auch danach trotzdem bestens medizinisch versorgt. Und während der Schwangerschaft habe ich mich eigentlich immer sehr gut aufgehoben gefühlt.
Wie lange hast du pausiert?
Nach meinem zweiten Kind habe ich die gesetzlich vorgeschriebenen acht Wochen Mutterschutz in Anspruch genommen. Danach gibt es eine Regelung, die heißt Elternzeit, und davon bin ich noch zehn Monate zu Hause geblieben, komplett mit dem Kind, um danach einen Wiedereinstieg in den Job zu schaffen.
Wie funktioniert das in Deutschland mit der Elternzeit und dem Elterngeld?
Als meine jüngste Tochter zehn Monate alt war, habe ich dann angefangen, wieder zu arbeiten, eben in dieser Elternzeit in Teilzeit. Darüber hinaus gibt es das sogenannte Elterngeld, was einer jungen Familie mit einem Kleinkind eine gewisse finanzielle Sicherheit bietet. Das heißt, wenn ich das Elterngeld bei der Stadt beantragt habe, bekomme ich normalerweise für die Frist von zwölf Monaten ungefähr 65 Prozent meines normalen Gehalts als finanzielle Mittel monatlich von der Stadt. So kann ich sicher sein, dass ich meine Existenz und die Existenz meiner Familie auch absichern kann. Man kann dieses Elterngeld auch strecken, das nennt man dann Elterngeld Plus. Und man kann dieses Elterngeld auch mit dem Lebenspartner oder mit dem Vater des Kindes aufteilen, man kann das halbe-halbe machen. Wir haben das so gemacht, dass ich zehn Monate Elterngeld bekommen habe und er zwei Monate, und dafür ist er dann zwei Monate komplett mit dem Kind zu Hause geblieben. So hat er mir den Wiedereinstieg in den Beruf komplett ermöglicht.
Wie zufrieden bist du mit der Kita in Deutschland?
Ich bin sehr zufrieden. Es gibt ja unterschiedliche Konzepte, man kann natürlich auch einen privaten Kindergarten auswählen. Wir haben uns aber ganz bewusst für eine städtische Kindertageseinrichtung entschieden, in die auch meine ältere Tochter früher gegangen ist. Ausschlaggebend ist einfach die liebevolle Betreuung der Kinder. Und wenn ein Kind jeden Morgen glücklich dahin geht und auch mit ganz vielen Eindrücken zurückkommt, dann spricht das eigentlich für sich selbst.
Möchtest du mit deiner Familie dauerhaft in Deutschland bleiben?
Meine Antwort lautet ja, denn für mich ist Deutschland auch ein Land, in dem meine Kinder aufwachsen, wo ihre Zukunft ist, und die möchte ich auch gerne mitgestalten. Daher ein klares Ja.