Arbeiten, Gehalt & Sozialversicherung
Was verdient man in Deutschland? Welche Abgaben werden vom Gehalt abgezogen und wie hoch sind die Lebenshaltungskosten? Hier finden Sie einen Überblick über Gehalt, Arbeitsbedingungen, Steuern, Sozialversicherung und Ausgaben im Alltag.
Gehalt in Deutschland: Brutto, Netto und Abzüge
Wenn Sie in Deutschland arbeiten und sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, wird in Ihrem Arbeitsvertrag in der Regel das Bruttogehalt genannt. Das ist das Gehalt vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Der Betrag, der nach diesen Abzügen auf Ihr Konto überwiesen wird, heißt Nettogehalt. Brutto ist also nicht gleich netto.
Bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung zieht der Arbeitgeber die Lohnsteuer und die Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung automatisch vom Bruttogehalt ab. Sie müssen die Beiträge nicht selbst an das Finanzamt überweisen. In der Regel übernimmt der Arbeitgeber einen Teil der Sozialversicherungsbeiträge. Der Vorteil ist, dass Sie durch Ihre Einzahlung in die Sozialversicherung auch im Falle von Arbeitslosigkeit oder einer Erkrankung, im Pflegefall und im Alter finanziell abgesichert sind.
Wie hoch die Abzüge sind, hängt unter anderem von Ihrem Einkommen, Ihrer Steuerklasse, Ihrem Familienstand, Ihrem Bundesland und Ihrer Krankenkasse ab. Die einzelnen Beträge sehen Sie jeden Monat auf Ihrer Gehaltsabrechnung. Sie können den Lohn- und Einkommenssteuerrechner (Externer Link) vom Bundesamt für Finanzen nutzen, um Ihren Netto-Lohn auszurechnen.
Was verdient man in Deutschland?
Der Entgeltatlas (Externer Link) der Bundesagentur für Arbeit bietet eine Orientierung zu den Verdienstmöglichkeiten in verschiedenen Berufen und Regionen. Die Angaben beziehen sich auf Bruttogehälter. Bitte beachten Sie, dass der Entgeltatlas nur auf Deutsch verfügbar ist.
Diese Steuern zahlen Sie als Arbeitnehmer in Deutschland
Die wichtigste Steuer für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist die Einkommensteuer auf den Arbeitslohn. Der Arbeitgeber führt Sie monatlich als Lohnsteuer an das Finanzamt ab. Wie hoch die Lohnsteuer ist, richtet sich vor allem nach dem Einkommen und der Steuerklasse (Externer Link) . Grundsätzlich gilt: Je höher das Einkommen ist, desto mehr Steuern zahlen Sie. Der Einkommensteuersatz liegt zwischen 14 und 45 % des Lohns.
Die Steuerklasse beeinflusst den monatlichen Steuerabzug vom Gehalt, während sich die endgültige Steuer erst mit der Einkommensteuererklärung ergibt. Es gibt insgesamt 6 unterschiedliche Steuerklassen in Deutschland.
In welcher Steuerklasse Sie sich befinden, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab:
- Familienstand: Sind Sie verheiratet, ledig, geschieden oder in einer eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft? Falls Sie verheiratet sind: Wenn Sie im Ausland geheiratet haben, ist die Ehe nicht automatisch in Deutschland gültig. Erkundigen Sie sich beim zuständigen Standesamt an Ihrem Wohnort in Deutschland, wie Sie Ihre ausländische Heiratsurkunde hierzulande registrieren lassen können.
- Erhält Ihre Partnerin bzw. Ihr Partner einen Arbeitslohn? Wenn ja: Ist dieser Lohn höher oder niedriger als Ihr Arbeitslohn?
- Haben Sie Kinder? Ziehen Sie diese allein oder in einer Partnerschaft oder Ehe groß?
- Haben Sie eine weitere Arbeit, bei der Sie Lohn erhalten?
Wenn Sie Mitglied einer Kirche sind, kann zusätzlich Kirchensteuer anfallen.
Was ist eine Steuererklärung?
Nach Ablauf eines Kalenderjahres können Sie mit einer Einkommensteuererklärung vom Finanzamt prüfen lassen, ob Sie zu viel Lohnsteuer gezahlt haben. Sie geben darin unter anderem an, wie viel Sie im vergangenen Jahr verdient haben und wie viel Lohnsteuer Ihr Arbeitgeber für Sie an das Finanzamt überwiesen hat.
In bestimmten Fällen ist eine Steuererklärung Pflicht, zum Beispiel wenn Sie für mehrere Arbeitgeber tätig sind. In vielen anderen Fällen ist sie freiwillig. Eine freiwillige Steuererklärung kann sich lohnen, wenn Sie zu viel Lohnsteuer gezahlt haben oder berufliche Ausgaben geltend machen können. So können Sie vom Staat Geld zurückerhalten.
Sie können die Steuererklärung selbst mit den Formularen des Finanzamts oder dem Programm ELSTER (Externer Link) erstellen. Alternativ können Sie Apps oder eine Steuersoftware für den Computer nutzen, sich an einen Lohnsteuerhilfeverein wenden oder eine Steuerberaterin bzw. einen Steuerberater beauftragen.
Das Bundesamt für Steuern (Externer Link) bietet weitere hilfreiche Informationen und auch englischsprachige Materialien an.
Wenn Sie neu nach Deutschland ziehen und sich bei der Meldebehörde anmelden, erhalten Sie automatisch per Post vom Bundeszentralamt für Steuern Ihre elfstellige Steueridentifikationsnummer, kurz Steuer-ID. Sie müssen diese Nummer Ihrem Arbeitgeber mitteilen, damit er die Lohnsteuer von Ihrem Gehalt abziehen kann.
Die Steuer-ID bleibt ein Leben lang gültig. Wenn Sie bereits einmal in Deutschland gearbeitet und eine Steuer-ID erhalten haben, müssen Sie weiterhin dieselbe Nummer verwenden. Falls Sie Ihre Steuer-ID nicht mehr kennen, können Sie sie beim zuständigen Finanzamt erfragen.
Sozialversicherung in Deutschland
Die gesetzliche Sozialversicherung schützt Sie finanziell, wenn Sie krank werden, pflegebedürftig oder arbeitslos werden oder in den Ruhestand gehen. Wenn Ihre Beschäftigung sozialversicherungspflichtig ist, sind Sie in der Regel automatisch in den wichtigsten Zweigen der Sozialversicherung versichert. Sie setzt sich folgendermaßen zusammen:
- Die gesetzliche Krankenversicherung: Sie übernimmt die Kosten für Arztbesuche sowie für viele Arzneimittel und Therapiemaßnahmen.
- Die gesetzliche Pflegeversicherung: Sie bietet eine Grundsicherung für den Fall, dass Sie aufgrund von Krankheit dauerhaft auf Pflege angewiesen sind. Meistens betrifft dies Menschen im hohen Alter.
- Die gesetzliche Rentenversicherung: Sie zahlt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine gesetzliche Rente, nachdem sie in den Ruhestand gegangen sind. Die Höhe der Rente bemisst sich vor allem nach dem Einkommen und der Anzahl von Jahren, die man in Deutschland arbeitet.
- Die gesetzliche Unfallversicherung: Sie übernimmt die Kosten für die medizinische Behandlung und die Wiedereingliederung ins Arbeitsleben nach einem Arbeitsunfall oder bei Berufskrankheiten.
- Die gesetzliche Arbeitslosenversicherung: Sie zahlt Arbeitslosen für eine bestimmte Zeit ein Einkommen aus, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Sie müssen in der Regel in den letzten zwei Jahren mindestens ein Jahr lang versichert gewesen sein und wieder Arbeit suchen.
Für die Sozialversicherung zahlen Sie einen bestimmten Prozentsatz Ihres Arbeitslohns, der automatisch von Ihrem Bruttogehalt an die Versicherung gezahlt wird. Ihr Arbeitgeber zahlt ebenfalls einen Anteil. In der Renten-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung sind Sie als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer automatisch Mitglied. Bei der Krankenversicherung können Sie – abhängig von Ihrer Situation – zwischen verschiedenen Krankenkassen wählen.
Was ist der Versicherungsnummernachweis und die Sozialversicherungsnummer?
Als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer erhalten Sie einen Versicherungsnummernachweis mit Ihrer Sozialversicherungsnummer. Früher hieß das Dokument Sozialversicherungsausweis. Teilen Sie die Nummer Ihrem Arbeitgeber mit und bewahren Sie den Nachweis gut auf. Die Sozialversicherungsnummer bleibt auch bei einem Arbeitgeberwechsel gleich. Wenn Sie den Nachweis verlieren, können Sie bei der Deutschen Rentenversicherung einen Ersatz anfordern.
Arbeitszeit, Urlaub und Feiertage
Deutschland gehört im internationalen Vergleich zu den Ländern mit relativ kurzen Arbeitszeiten und vielen Urlaubs- und Feiertagen. Die konkrete Arbeitszeit und der Urlaubsanspruch stehen in Ihrem Arbeitsvertrag oder ergeben sich aus einem Tarifvertrag.
Grenzen für die Arbeitszeit sowie Vorgaben zu Pausen und Ruhezeiten sind gesetzlich festgeschrieben. Ihr gesetzlicher Mindesturlaubsanspruch richtet sich nach der Zahl der Arbeitstage, die Sie pro Woche arbeiten. Urlaub müssen Sie in der Regel beim Arbeitgeber beantragen und genehmigen lassen. Welche gesetzlichen Feiertage für Sie gelten, hängt vom Bundesland ab, in dem Sie arbeiten. An diesen Tagen ruht die Arbeit grundsätzlich, es gibt jedoch Ausnahmen für bestimmte Tätigkeiten und Branchen.
Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten in Deutschland?
Wie viel Geld Sie im Alltag benötigen, hängt von Ihrem Wohnort, der Haushaltsgröße und Ihrem persönlichen Lebensstil ab. Großteil der Ausgaben entfällt auf die Miete. In Großstädten ist Wohnraum häufig teurer als in ländlichen Regionen oder kleineren Städten. Wer in einem Wohnheim lebt, zum Beispiel während einer Ausbildung oder eines Studiums, zahlt oft weniger als für eine eigene Wohnung oder ein Zimmer auf dem privaten Wohnungsmarkt. Zusätzlich zur Kaltmiete fallen Nebenkosten an, etwa für Heizung, Wasser und Strom.
Weitere regelmäßige Ausgaben entstehen für Lebensmittel, Mobilität, Freizeit und Kommunikation. Die Höhe hängt von Ihrem persönlichen Lebensstil ab. Zu Beginn Ihres Lebens in Deutschland können außerdem einmalige Anschaffungen anfallen, zum Beispiel für Möbel oder Haushaltsgegenstände.
Informieren Sie sich daher vor einem Umzug möglichst gezielt über die Lebenshaltungskosten an Ihrem künftigen Wohnort. Regionale Mietspiegel können Ihnen dabei helfen, die Wohnkosten besser einzuschätzen. Aktuelle Daten zu Konsumausgaben finden Sie beim Statistischen Bundesamt (Externer Link) .
Weitere Informationen im Web
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Bundesministerium des Innern
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Bundesministerium der Finanzen
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EU-Kommission
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Internationale Organisation für Migration | IOM, UN-Migration
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Deutsche Rentenversicherung
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Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung
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Handbook Germany
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