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Zuwanderung

Deutschlands Bevölkerung wächst durch Zuwanderung

Dass es sich in Deutschland gut leben und arbeiten lässt, hat sich herumgesprochen: Deutschland als Zuwanderungsland ist attraktiv wie nie. Seit 1950 gab es nur wenige Jahre, in denen in Deutschland mehr Menschen ab- als zugewandert sind. Die wichtigsten historischen Ereignisse lassen sich anhand der Zahlen leicht ausmachen: Die deutsche Wiedervereinigung im Jahr 1990 legte einen Grundstein für hohe Zuzugsraten, die ihren höchsten Punkt im Jahr 1992 mit 1.502.198 Personen erreichte. Der positive Saldo in den darauffolgenden Jahren war auf eine gute konjunkturelle Lage und fortlaufende Stabilität auf dem Arbeitsmarkt zurückzuführen. Einzig die globale Rezession in den Jahren 2008 und 2009 konnte diese Entwicklung leicht dämpfen. In diesen beiden Jahren war der Saldo erstmals seit dem Jahr 1984 negativ. Die Schere zwischen Zu- und Abwanderung war in den Jahren 2010 bis 2015 immer größer. Der hohe positive Wanderungssaldo von etwa 1,15 Mio. ausländischen Personen im Jahr 2015, der zwar auch auf die hohe Flüchtlingsmigration zurückzuführen ist, hat sich im Jahr 2016 auf 634.807 ausländischen Personen reduziert. Es kommen also immer mehr Menschen nach Deutschland, um sich hier beruflich weiterzuentwickeln.


Vor allem junge Zuwanderer kommen nach Deutschland, wodurch eine Lücke geschlossen werden kann, welche in Deutschland durch niedrige Geburtenraten vorauszusehen ist. 2016 lebten über 82 Millionen Menschen in Deutschland. Im Durchschnitt waren sie 44,3 Jahre alt. Die jüngeren Jahrgänge in Deutschland können also rein rechnerisch nicht die Generation ihrer Eltern ersetzen. Die meisten Personen mit Migrationshintergrund stammten 2016 aus der Türkei, Polen und Russland. Während Russinnen und Russen sowie Polinnen und Polen mit jeweils 38,1 Jahre nur knapp unter dem Altersschnitt der in Deutschland lebenden Bevölkerung lagen, waren Türkinnen und Türken im Schnitt deutlich jünger mit nur 33,2 Jahre alt. Im Vergleich zu den europäischen Gruppen fällt auf, dass Personen mit Migrationshintergrund aus Asien und Afrika mit einem Durchschnittsalter von 32,1 und 28,9 Jahren noch jünger sind. 2016 waren um die 75 Prozent von ihnen 45 Jahre und jünger. Die jungen Zugewanderten können dem deutschen Arbeitsmarkt noch lange zur Verfügung stehen, den Fachkräftemangel mildern und zu Wohlstand und wirtschaftlichem Erfolg beitragen. Voraussetzung hierfür sind die geeigneten Qualifikationen.


Zugewanderte sind zunehmend besser qualifiziert

Immer mehr Zuwanderinnen und Zuwanderer im erwerbsfähigen Alter weisen einen Hochschulabschluss vor. Das Qualifikationsprofil der Zugewanderten hat sich seit ein paar Jahren deutlich verbessert. Im Jahr 2005 wiesen 13,6 Prozent der Personen mit eigener Migrationserfahrung im Alter von 25 bis 65 Jahren einen akademischen Abschluss auf. 2016 lag dieser Anteil bereits bei 20,44 Prozent und somit etwa gleichauf mit dem Anteil der Gesamtbevölkerung in Deutschland im gleichen Alter (21,36 Prozent). Damit unterscheidet sich die Qualifikationsstruktur der Zugewanderten nicht mehr erheblich von der gesamten Bevölkerung in Deutschland. Dass immer mehr Akademikerinnen und Akademiker nach Deutschland zuwandern, lässt sich durch die vereinfachten Zuwanderungsmöglichkeiten für diese Personengruppe erklären.


Durch das Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes im Jahr 2012 haben alle Zuwanderungsinteressierten und bereits Zugewanderte die Möglichkeit, ihre ausländischen Qualifikationen in Deutschland anerkennen zu lassen. Dieser Schritt ist notwendig für Zuwanderinnen und Zuwanderer, die nicht aus der EU stammen, keinen Hochschulabschluss besitzen und in Deutschland eine Arbeit aufnehmen wollen. Für Bürgerinnen und Bürger aus der EU, die in einem reglementierten Beruf – wie als Ärztin bzw. als Arzt oder Rechtsanwältin bzw. Rechtsanwalt – arbeiten, ist die Anerkennung ebenso eine Voraussetzung, um ihren Beruf in Deutschland ausüben zu dürfen. Die Erfolgschancen stehen dabei gut: nur 3,4 % der Bescheide im Jahr 2016 stellten keine Gleichwertigkeit fest. Zugewanderte haben somit gute Voraussetzungen für die Jobsuche und den Start ihrer Karriere in Deutschland.


Knapp 42.365 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren 2015 an deutschen Forschungseinrichtungen tätig. Besonders erfreulich ist, dass zuletzt verstärkt Forschende aus den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) den Weg nach Deutschland fanden. Zwischen 2012 und 2015 stieg die Zahl der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Bereichen Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften von 20.627 Personen auf 24.498 (Quelle: DAAD 2017). Als hochspezialisierter Industriestandort benötigt Deutschland ihr Know-How, um seine Innovationskraft und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Noch Luft nach oben – Vergabe von Aufenthaltstiteln an qualifizierte Zuwanderer

Viele gut qualifizierte Menschen kommen nach Deutschland, um sich hier ihre berufliche Zukunft aufzubauen. Dabei gibt es grundsätzliche Unterschiede: So haben Bürgerinnen und Bürger aus der EU, Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz freien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt und brauchen hierfür keinen Aufenthaltstitel. 

Bürgerinnen und Bürger, die nicht aus der EU stammen, benötigen hingegen ein Visum. Die Anzahl der Drittstaatenangehörigen, die 2015 einen entsprechenden Aufenthaltstitel als Fachkraft oder hochqualifizierte Arbeitskraft erhalten haben, lag bei etwas über 28.000. Mit Ausnahme des Einbruchs im Jahr 2013, der auf den EU-Beitritt von Kroatien zurückzuführen ist, werden immer mehr Aufenthaltstitel an gut ausgebildete Arbeitskräfte vergeben. Dabei spielt die „Blaue Karte EU“ noch eine geringe Rolle: Ihr Anteil ist mit etwa einem Viertel deutlich ausbaufähig. Im Bereich der Mangelberufe, wie Ingenieurinnen und Ingenieure oder Ärztinnen und Ärzte, ist der Anteil mit elf Prozent sogar noch geringer. Hier nimmt die Zahl der vergebenen Titel seit 2012 aber immerhin zu. 

Nach wie vor machen qualifizierte Beschäftigte aus Berufen, die in der Regel eine zweijährige Berufsausbildung voraussetzen, mit rund 19.000 neu vergebenen Titeln den größten Teil aus.  
Im Land der Ideen wurden 2015 zudem fast 2.000 neue Aufenthaltstitel zum Zwecke der Selbstständigkeit und 409 Titel an Forscherinnen und Forscher vergeben.


Holen Sie Ihre Familie nach

Deutschland ist kinderfreundlich! Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einer Aufenthalts- oder Niederlassungserlaubnis, insbesondere einer „Blauen Karte EU” für Deutschland, können ihre Familie leicht nachholen, wenn genügend Wohnraum zur Verfügung steht, der Lebensunterhalt für die Familie gesichert ist und die Ehepartnerin oder der Ehepartner volljährig ist. 2010 wurden über 40.000 Visa zum Familiennachzug erteilt. Diese Zahl hat sich zwischen 2010 und 2013 kaum verändert. Seit dem Jahr 2014 sind erstmals wieder erhebliche Zuwächse zu verzeichnen. So wurden im Jahr 2015 rund 73.000 Visatitel zum Zwecke des Familiennachzugs vergeben (Quelle: BAMF, 2016). Grund war unter anderem die starke Zunahme an Anträgen von syrischen Familienangehörigen.

Zuwanderer leisten Wachstumsbeitrag

Deutschlands Wirtschaft wächst, wie man an der Entwicklung des Produktionspotenzials sehen kann. Das Produktionspotenzial entspricht der Menge aller hergestellten Güter und Dienstleistungen und hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab: der Anzahl der Personen, die die Güter und Dienstleistungen produzieren, der für die Produktion benötigten Zeit und dem Maß, wie produktiv die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die eingesetzten Maschinen sind. Erwerbsorientierte Zuwanderung wirkt sich über zwei Kanäle positiv auf das Produktionspotenzial aus: Einerseits erhöht sich durch Zuwanderung die Anzahl der Arbeitskräfte und es können mehr Güter und Dienstleistungen produziert werden. Andererseits ergeben fortlaufende Untersuchungen, dass Erwerbsmigrantinnen und -migranten durchschnittlich besser qualifiziert sind als inländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und demzufolge die Arbeitsproduktivität steigern. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat in einer Modellrechnung deutlich positive Wachstumseffekte von allgemeiner Migration auf das mittelfristige Produktionspotenzial für die nächsten Jahre geschätzt. Würden bei entsprechenden Schätzungen nur qualifizierte Zugewanderte berücksichtigt, fielen die Ergebnisse sogar noch positiver aus.

Zugewanderte leben überwiegend vom eigenen Einkommen

Das Argument, dass Migrantinnen und Migranten hauptsächlich nach Deutschland kommen, um von dem attraktiven Sozialsystem zu profitieren, ist unter Zuwanderungskritikern weit verbreitet. So vermuten diese, dass Zugewanderte, die in Deutschland leben, ihren Lebensunterhalt mehrheitlich durch den Staat finanzieren lassen. Dieses Argument lässt sich statistisch jedoch nicht bestätigen. Tatsächlich finanzierten Personen mit eigener Migrationserfahrung 2016 ihren Lebensunterhalt mehrheitlich aus ihrer Erwerbstätigkeit (49 Prozent). Leistungen nach dem Arbeitslosengeld bildeten für nur etwa neun Prozent der Haushalte die Haupteinnahmequelle. Damit unterschieden sich die Einkommensquellen der Migrantinnen und Migranten nicht erheblich von der gesamten Bevölkerung: Hier bestritten 45 Prozent ihren Lebensunterhalt durch eine Berufstätigkeit und etwa vier Prozent durch Leistungen nach Arbeitslosengeld.

Weitere Informationen im Web

Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Arbeitsmigration in Deutschland (Deutsch, Englisch)

Broschüre Willkommen in Deutschland - Informationen für Zuwanderer (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch uvm.)

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